Fair-Trade-Branche boomt
Verbraucher vertrauen beim Einkauf immer öfter auf Produkte, die fair gehandelt wurden. 2009 gaben die Deutschen 322 Millionen Euro dafür aus – mehr als jemals zuvor (+ 21 Prozent gegenüber 2008, dreimal so viel innerhalb der vergangenen 5 Jahre).
Grundlage für die seit Jahren positive Entwicklung ist das hohe Vertrauen, das der Faire Handel in Deutschland genießt. Volkmar Lübke, Verbraucherexperte und Betreuer der Studie zum Fairen Handel 2010: „Gerade in der aktuellen Vertrauenskrise der Wirtschaft zeigt sich, dass die Stärke des Fairen Handels in seiner hohen Glaubwürdigkeit liegt.“ So ist für zwei Drittel der Käufer die „richtige Verwendung des Geldes“ ein sehr wichtiger Grund, fair gehandelte Produkte zu kaufen. Noch wichtiger ist ihnen der Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit bei der Produktion .
Viele Verbraucher lassen sich von der hohen Qualität fair gehandelter Lebensmittel, wie Kaffee, Wein, Fruchtsäfte oder Schokolade überzeugen, die immer wieder in unabhängigen Tests bestätigt wird. „Für den Verbraucher ist der Faire Handel somit ein Garant für hohe Produktqualität zu hohen ethischen und sozialen Standards“, fasst der Marktforscher diesen Trend zusammen.
Galten fair gehandelte Waren vor einigen Jahren noch als Nischenprodukte, finden sie sich mittlerweile an immer mehr Orten. Antje Edler, Koordinatorin des Forums Fairer Handel: „Durch das zunehmend flächendeckende Angebot haben immer mehr Menschen die Möglichkeit, den Kauf fair gehandelter Produkte in ihren Alltag zu integrieren.“ Insbesondere im Bereich der Gästebewirtung gewinnen fair gehandelte Speisen und Getränke an Bedeutung. 2009 konnten rund 5.000 neue Restaurants, Bäckereien, Cafés und Kantinen als Vertriebsstellen hinzugewonnen werden.
„Die Entwicklung ist vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in den Produzentenländern erfreulich“, so Edler weiter. Kleinbauern und Arbeiter im Süden haben nach wie vor mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu kämpfen: anhaltend hohe Preise für Nahrung, Brennstoffe und Düngemittel bei gleichzeitig stark erschwertem Zugang zu Krediten. Darüber hinaus erschütterten in den vergangenen Monaten Tropenstürme, Erdbeben und Flutkatastrophen unterschiedliche Weltregionen. Betroffen sind in besonderem Maße Kleinbauern und ihre Familien. Edler: „Durch Möglichkeiten der Vorfinanzierung, langfristige Lieferbeziehungen, faire Preise und Hilfe bei der Anpassung an geänderte Umweltbedingungen bietet der Faire Handel hier wichtige Unterstützung und sichert Existenzen.“
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